Prof. Singer: Werte

Prof. Kurt Singer         http://www.prof-kurt-singer.de/       Prof. Kurt Singer

Kurt Singer (* 1929 in München; † 16. September 2009 ebenda) war ein deutscher Pädagoge und Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität München.

Seine Themen und Arbeitsgebiete waren eine Lehrerausbildung, die Lehrer als Lernhelfer versteht, eine humane Schule, in der die Würde der Schülerinnen und Schüler unantastbar ist, eine demokratische Schule, in der Zivilcourage gelebt und gefördert wird.

aus: Wikipedia: Kurt Singer (Pädagoge)

 

Er schreibt auf seiner Homepage:

Kinder brauchen eine pädagogische Schule
In ihr können sie ihre persönliche Leistungsfähigkeit und ihre ganze Person entwickeln. Eine humane Schule ist die beste Leistungsschule: Unterricht bedeutet nicht nur Stoffvermittlung, sondern eine helfende Beziehung von Lehrerinnen und Lehrern zu den Schülern. Schule wird zum Lern-Ort für Miteinander-Lernen.

Lehrer-sein ist ein helfender Beruf

Diese Definition verändert das Bild des Berufs: Lehrer verstehen sich als Lernhelfer. Sie helfen den Kindern in zugewandter pädagogischer Beziehung, Kenntnisse zu erwerben und die Welt zu begreifen. Durch die individuelle Hilfe beim Lernen erweisen sie den Schülern besondere Achtsamkeit.

Achtung vor der Individualität des Kindes
Schule darf sich nicht an der „Logik des Marktes“ orientieren. Das pädagogische Entwicklungsprinzip steht über dem Leistungsprinzip. Die Pädagogik der Schule muss die Lebensprobleme der Jugendlichen so ernst nehmen wie deren Lernprobleme.

Die Würde des Schülers ist unantastbar
Kein Kind darf seelisch verletzt werden, seine Persönlichkeitsrechte müssen im Unterricht gewahrt werden. Jugendliche dürfen nicht durch Überforderung, Kränkung und Angst in eine hilflose Situation geraten, ebenso wenig Lehrerinnen und Lehrer.

In der Schule mehr Demokratie wagen
Schule ist immer noch ein Ort, an dem Demokratie kaum praktiziert wird. Eltern und Lehrer könnten durch Mitverantwortung für ein Schulklima der Zusammenarbeit eintreten. Schüler sind in der Lage, ihr Lernen mitzugestalten, das Lernen zu ihrer Sache zu machen.

Sozialer Mut für eine neue Ethik des Zusammenlebens
Kurt Singer bestärkt Lehrerinnen und Lehrer in ihrem pädagogischen Engagement, unterstützt Eltern wie Schüler darin, Schule zur pädagogischen Schule zu machen. Dazu müssen sie gegen den Strom schwimmen: gegen staatlich verordnete Unvernunft und politische Gleichgültigkeit. Ohne Zivilcourage und sozialen Ungehorsam gibt es keinen Fortschritt – auch keinen pädagogischen.

 

Professor Dr. Kurt Singer lehrte als Professor für Pädagogische Psychologie und Pädagogik mit Schwerpunkt Lehrausbildung an der Ludwig-Maximilians-Universität München und als Dozent und Lehranalytiker an der Akademie für Psychoanalyse. Er war Psychotherapeut sowie Leiter von Supervisionsgruppen, selbst aktiv in der Friedens- und Umweltbewegung und Mitbegründer der Bürgerinitiative Aktion Humane Schule Bayern.

Prof. Singer: Sadismus - Tag

Prof. Dr. Kurt Singer

Die heimliche Gewalt der Schule – staatlich gefördert?

Der reißende Fluss wird gewalttätig genannt,
Warum nicht das Flussbett, das ihn einengt?

Bertolt Brecht

 

Mathematiklehrer Falkenstein und Benjamins Sadismus-Tag


Wenn wir weniger Gewalt wollen, müssen wir weniger Gewalt ausüben; auch in der Schule. Dann sollten wir uns öffentlich empören über Benjamins Sadismus-Tag. Der Schüler schreibt: »Der Wecker läutet. Es ist ein widerlicher Klang. Es klingt nach Mathematik. Voraussichtlich nach Note 6 … Lehrer Falkenstein sagt, er sehe für meine Zukunft schwarz … Ich wäre einfach zu blöd … In letzter Zeit nimmt er mich häufig dran. Weil er weiß, dass ich nichts verstehe. Das befriedigt ihn irgendwie. An einem ganz normalen Ausfrage-Tag sucht Falkenstein mit stechendem Blick ein Opfer. Langsam erhebt er sich von seinem Lehrerstuhl. Der Schweiß läuft mir über die Stirn. Ich will nicht ausgefragt werden. Warum sagt er nicht gleich, wer drankommt? Oder warum trägt er mir nicht gleich einen Sechser ein? Warum muss er mich so quälen? Ich hasse es, vor der Klasse zu rechnen. Ich blamiere mich immer. Falkenstein stellt so richtig gemeine Fragen. Ich zittere. Weiß gar nichts mehr, die wenigen gespeicherten Brocken aus dem Unterricht sind der Aufregung zum Opfer gefallen. Ich scheiße mir schon fast in die Hosen. Mein Magen bläht sich auf. Gänsehaut huscht über meinen Körper. Ich komme dran. Es muss ja so sein. Falkenstein sagt mit tiefer kräftiger Stimme: ›Lebert! So zeigen Sie uns, wofür ich so lang geredet habe.‹ … Ich hasse es, wie er ›Lebert‹ sagt. So, als wolle er mich erschießen. Als brächte er mich zum Galgen … Wie in Trance erhebe ich mich zur Tafel. Falkenstein macht ein paar Angaben … Jetzt muss ich die Aufgabe lösen. Warum stehe ich eigentlich hier? … Male ein Zeichen. Zwei. Einen Kreis. Falkenstein ist nicht zufrieden. Er entlässt mich auf meinen Platz. Nach dem Unterricht sagt er: ›Das mit deinem Abschluss kannst du vergessen . Wie ich es sehe, müssen wir froh sein, wenn das Kultusministerium für dich keine Note 8 einführt.‹ Er grinst ein großes, breites Grinsen. – Die Schule ist ein Psycho-Krieg.« Diesen Bericht schreibt der 16-Jährige Benjamin Lebert in seinem autobiographischen Roman „Crazy“.

Prof. Singer: herabsetzende Lehrerworte

Sebastian wird vom Gift herabsetzender Lehrerworte krank gemacht


Der Schüler fühlte sich von der geringschätzigen Frage des Lehrers verfolgt: »Was hast du denn auf dem Gymnasium zu suchen?« – Solch ausstoßende Worte bedrohen Kinder mit dem Verlust der Zugehörigkeit; sie wirken wie Gift: »Gift, das du unbewusst eintrinkst und das seine Wirkung tut«, schreibt der Philosoph Victor Klemperer: »Sprache kann aus giftigen Elementen gebildet oder zu Trägern von Giftstoffen gemacht werden. Worte können sein wie winzige Arsendosen. Sie werden unbemerkt verschluckt, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.« Manche Menschen leiden lange Zeit unter winzigen Arsendosen, die ihnen Lehrer durch herabsetzende Worte verabreichten.

Sebastian galt in der Grundschule als interessierter Schüler. Auf dem Gymnasium verlor er durch den herabwürdigenden Lehrer allen Mut. Der Oberstudienrat liest bei jeder Aufsatzbesprechung mangelhafte Arbeiten vor, ohne die Jugendlichen um Erlaubnis zu bitten. Er sucht missglückte Sätze heraus und stellt Kinder namentlich bloß. Wenn er Klassenarbeiten heraus gibt, gleicht das einem Schauprozess: es geschieht in der Reihenfolge der Zensuren, begleitet von ironischen Kommentaren. Es ist die personale Gewalt durch Worte, eingebettet in die heimliche Gewalt; denn: Kein Deutschkollege empört sich öffentlich über die psychische Folter. Durch diese lernen Schüler nicht Aufsatzschreiben; sie lernen, wie man Menschen mit Schwächen an den Pranger stellt. Wo doch Schreiben auf Beziehung aufgebaut ist, ein Ausdrucksmittel, das sich an den Anderen richtet. – Alle im Schulhaus sind daran beteiligt, dass der Oberstudienrat die Grundrechte außer Kraft setzen darf. Oder stimmen Sie Erich Kästners Satz nicht zu: »An allem Unrecht, das geschieht, ist nicht nur der schuld, der es begeht, sondern auch der, der es nicht verhindert.« Sebastian schreckt wegen des gewalttätigen Lehrers nachts auf, bringt beim Frühstück kaum einen Bissen hinunter. In seinen Kopfschmerzen wurde der ihm angetane psychische Schmerz zu körperlichem Schmerz. »Das Kind ist zu sensibel«, hieß es. Stößt die Schule feinfühlige Menschen aus? Oft scheint es so.

 

Prof. Singer: Abfrage-Folter

Abfrage-Folter: Gewalt durch kränkende Lehrer-Bemerkungen

 

Mit dem quälerischen Abfrage-Zeremoniell bricht ungehindert Lehrer-Aggressivität über Jugendliche herein, nicht versteckt, sondern öffentlich. Die heimliche Gewalt verbirgt sich in der Umgebung. Kein Ethiklehrer sagt dem verächtlichmachenden Kollegen, dass dieser ethische Grenzen überschreitet: Wo doch Ethik der Bruch mit der Gleichgültigkeit ist, die Möglichkeit des Einer-für-den-Andern. Alle schauen weg; Schulbehörden lassen persönlichkeitsverletzendem Treiben freien Lauf. Sie überwachen eher freiheitlich denkende Lehrer. Die Kinderfeindlichkeit drückt sich in dem Satz aus: »Das sind ja nur Einzelfälle.« Als bestünde die Achtung vor der Würde des Menschen nicht darin, jedes Kind in seinen Persönlichkeitsrechten zu schützen.

Die achtungsvolle, gewaltlose Beziehung ist Thema vieler Gespräche, die ich mit Jugendlichen führe. Sie meinen, Verächtlich-Machen gehöre zum Schulalltag: »Unmöglich, jetzt hast du das immer noch nicht kapiert.« – »Wie dumm du dich wieder anstellst!« – »Deutsch scheint nicht gerade deine Stärke zu sein.« – »Eine so miserable Lateinklasse hab ich noch nie erlebt.« – Worte können töten: das Vertrauen und die Lernfreude. Es ist der Hochmut der Mittelmäßigkeit, in dem einzelne Lehrer Kinder als minderwertige Wesen behandeln, um sich selbst aufzuwerten. Und alle lassen es zu.

Keinesfalls verallgemeinere ich Einzelbeispiele destruktiven Lehrerverhaltens. Seit Jahrzehnten arbeite ich wöchentlich mit Lehrerinnen und Lehrern in Gruppen und in Einzelberatung; ich begleite mit Respekt deren pädagogisches Engagement. Die demütigenden Lehrer sind der Rede wert, weil es sich um viele Kinder handelt, die von der Wortgewalt weniger Lehrer geschädigt werden. Lehrer, die ihre Macht missbrauchen, wirken zudem als Krankheitserreger in das Schulsystem hinein.

 

Prof. Singer: schlimme Erfahrungen

„Zu sensibel“ fürs Gymnasium?


Michael: »Die Schule war die schlimmste Zeit meines Lebens« (Michael Ende).
Heinrich: »Und ich schleppte all die Jahre die Fünf hinter mir her, wie ein Sträfling die schwere Kugel an seinen Füßen« (Heinrich Böll).
Günter: »Lehrergestalten hatten sich raumgreifend in meinen Träumen breitgemacht. Meine Schulzeit war prägend für mich. Narben blieben, die geheilt noch juckten« (Günter Grass).
Susanna: »Für mich waren die Schuljahre die schlimmsten meines Lebens, wegen des ständigen Gefühls der Ohnmacht« (Susanna Tamaro).

Die schlimmste Lebenszeit? Wie ein Sträfling behandelt? Lebenslang schmerzende Narben? Ständige Ohnmacht? Mich bewegt, dass Schülerinnen und Schüler im Jahr 2002 dieselbe seelische Not ausdrücken, wie Jugendliche vor fünfzig Jahren oder einem Jahrhundert. Dem Schüler Sebastian raubte das kleinmachende Lehrerverhalten sein Selbstvertrauen. Für ihn verwirklichte sich Erich Frieds »Rückschau in die Kindheit«:

Ich war ein Berg
den hat die Welt bestiegen
Ich musste ihr unterliegen
Ich bin ein Zwerg

Leute, ihr lacht
denn ihr versteht das nicht:
Mich hat ein großes Gewicht
klein gemacht

 

 
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