Ulrike Stedtnitz Vielfalt

„Vielfalt ist der Schlüssel zu mehr Bildung“

 Lehr- und Lernformen. Fördern kann zur Falle werden. Gefährliches Halbwissen bei Eltern wie Pädagogen verhindert den Blick auf die Defizite im Bildungssystem. Was Menschen wirklich benötigen, sind vielfältige und kreative Möglichkeiten, zu lernen und sich zu entwickeln, meint die Schweizer Erziehungspsychologin Ulrike Stedtnitz.

 

Zur Person Ulrike Stedtnitz    Ulrike Stedtlitz    

Die Schweizerin ist Expertin für Potenzialentwicklung und berät seit mehr als 25 Jahren Menschen aller Altersstufen, ihre ur-eigenen Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten zu erschließen. Die studierte Verhaltenswissenschaftlerin und Erziehungspsychologin lehrte einige Jahre in den USA. Seit ihrer Rückkehr nach Europa engagiert sie sich für innovative und stärkenorientierte Lehr- und Lernformen. Dort (ko-)initiierte sie in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche nachhaltige schweizerische und internationale Projekte in der schulischen und studentischen Begabungsförderung.

Zusätzlich ist Ulrike Stedtnitz Buchautorin und gibt als Referentin Seminare zu Themen wie life balance und mehr Energie am Arbeitsplatz.

 

Eltern attestieren ihren Kindern gerne besondere Begabungen und machen dann Druck auf die Schule, diese „Hochbegabung“ angemessen zu fördern.

Dabei drückt „Hochbegabung“ als Begriff etwas Statisches aus, etwas, womit wir angeblich schon auf die Welt kommen und das man im Kindesalter klar identifizieren kann. Aber niemand kann genau definieren, was solch ein statisches Konzept menschlicher Begabung genau beschreiben soll. Die viel wichtigere Erkenntnis, dass Menschen Entwicklungsprozesse darstellen und dass viel harte Arbeit notwendig ist, um Kompetenzen überhaupt zu entwickeln, wird in dieser Sichtweise gerne außen vor gelassen. Stattdessen entsteht durch das Erkennen einer angeblichen „Begabung“ eine Erwartungshaltung, die Kinder, Lehrer und die Eltern selbst ungemein stresst.

Kinder mit einem Intelligenzquotienten (IQ) ab 130 gelten doch als hochbegabt.

Der IQ-Wert ist nur ein Durchschnittswert, der sich aus vielen verschiedenen Stichproben zusammensetzt und durch Faktoren wie Tagesform und Bildungshintergrund weiter verzerrt wird. Erkenntnisse aus 20 Jahren Intelligenzforschung zeigen, dass dieses Konstrukt viel zu einfach gestrickt ist, dass Begabungen letztendlich nicht objektiv messbar sind. Wir tun Kindern und Schulen keinen Gefallen, wenn wir an solchen statischen Messsystemen weiter festhalten. Wir müssen das dynamisieren

Wie soll das funktionieren?

Indem wir uns nicht zum Ziel setzen, einzelne Hochbegabte auszusuchen. Wir müssen vielmehr an Schulen und Hochschulen ein Umfeld schaffen, in dem möglichst viele ermutigt werden, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken und eigenständig umzusetzen. Wo Intelligenz und Hochbegabung als Prozesse erkannt werden, anstatt etwas zu suchen, was angeblich an sich da sein soll – und zwar im Fall der „Hochbegabung“ bei angeblich nur drei Prozent der Bevölkerung.

Der Pädagoge Jean Piaget nannte Kinder „selbsttätige Entdecker“. So gesehen entstehen kreative Prozesse, wenn jemand sich seine eigene Fähigkeit etwas zu leisten und zu entdecken im Moment seines Tuns bewusst machen kann.

Genau auf das Leisten solcher Prozesse hat sich das menschliche Gehirn spezialisiert. Intelligenz wiederum entsteht aus vielen solchen Aktivitäten, die sich dabei ständig wieder ändern. Es gibt die spielerische Intelligenz, die Neues entdeckt. Es gibt Intelligenz im Handwerk, im Garten-, im Straßen- im Maschinenbau, überall wo Menschen etwas tun. Und unsere Gesellschaft bräuchte doch viel mehr von dieser natürlichen Pluralität der Intelligenz. Stattdessen erkennen wir Intelligenz nur an, wo Kopfdenker komplexe und abstrakte Dinge noch geschickter ausführen – egal ob zum Wohl oder zum Schaden der Gesellschaft.

Man könnte meinen, Intelligenz sei für Sie etwas Pluralistisches – fast schon ein demokratisches Gut.

Aber ja. Sieht man sich die Bildungswege von Experten in der Mathematik, in der Musik oder im Schachspiel genauer an, wird klar, dass sich die Intelligenzquotienten Hochleistender aus diesen Bereichen kaum von den IQs „normaler“ Personen unterscheiden. Den Unterschied machte die Anzahl von Stunden aus, die eingesetzt wurden, um die jeweilige Kompetenz zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur um bloßes Üben – viel wichtiger ist die deliberate practice – also motiviertes, bewusstes Üben, das das eigene Tun hinterfragen kann. Letztendlich geht es auch hier um das Schaffen eines passenden Milieus für den richtigen Lernprozess, um ein Bildungsumfeld, das innere Motivation aktivieren und Umstände erschaffen kann, die es überhaupt erst ermöglichen, dass eine Motivation ausgelebt wird. Wenn das geschieht, so die heutige Lehrmeinung, kann ein IQ von 110 und darunter völlig ausreichen, um in einer Menge von Bereichen ganz hervorragende Leistungen erbringen zu können.

Was könnte helfen, um diese in uns angelegten diversen Ausdrucksformen von Intelligenz zu wecken?

Bildung war traditionell eine der konservativeren Ausdrucksformen von Gesellschaft. Das musste so sein, weil Bildung auch eine bewahrende Funktion hat. Aber das muss sich jetzt ändern. Die aktuellen Entwicklungen sind zu schnell für das Bildungssystem. Die Wissensverdopplung in den Naturwissenschaften vollzieht sich bereits alle paar Monate und wie wollen wir eigentlich mit den rasanten politischen, gesellschaftlichen Veränderungen weiter umgehen? Natürlich bleibt es für die Basis des eigenen Handelns notwendig, wenn man sich in einer Disziplin gut auskennt. Doch nach dem Prozess des tieferen Verstehens der eigenen Disziplin – was ein Studium oder eine Ausbildung leistet – wird die Identifikation des Gebildeten mit „seiner“ Disziplin oft zum mentalen Problem. Dabei führt der Zuwachs an Komplexität in der Welt gerade dazu, dass wir stärker denn je gefordert werden, andere Sichtweisen besser zu verstehen, damit wir komplexen Problemen gerecht werden können. Experten müssen sich daran gewöhnen, in Teams über Disziplinen und Fächergrenzen hinweg zu arbeiten, um gemeinsam Lösungen für komplexe Probleme zu finden. Und das ist schwer.

Weil es gewissermaßen die gewohnte Berufsidentität bedroht ...

... an die auch der Status und damit das persönliche Sicherheitsgefühl gekoppelt sind. Deswegen können andere Denkmodelle für „Experten“ schnell bedrohlich werden. Wie zögerlich verlaufen denn viele Versuche in Forschungsinstituten und Unternehmen, verschiedene Bereiche und Abteilungen oder Forschungs- und Handlungsfelder zusammenzubringen? Dabei wird es Aufgabe der Wissenschaft sein, sich wirklich gemeinsam für die Lösung von herausfordernden interdisziplinären Problemen einzusetzen und mehr Vielfalt im Denken zuzulassen. Deswegen müssten Schulen und Universitäten dafür sorgen, dass Lernende die Mauern der Identität, wie sie um Fächer- und Disziplingrenzen herum gezogen wurden, infrage stellen können. Für junge Leute geht es in der Wissensgesellschaft doch nicht mehr darum, den einen Beruf fürs Leben zu finden. Statt sich nach dem Abitur nur auf die Suche nach der einen richtigen Entscheidung für den Berufsweg zu machen, wird es für sie wichtiger, ihre eigene kreative Haltung zum Lernen und zum Leben zu entwickeln – eine Haltung, die dauerhaft von Neugierde, Kreativität und Vertrauen geprägt sein kann.

 

„Wir müssen raus aus der kollektiven Zwangsfütterung mit Wissen.“

Ulrike Stedtnitz

 

Nobel gedacht. Wie kann man das in die Praxis bringen?

Man sollte auf jeder Ebene die Beteiligten zum aktiven Mitwirken ermutigen. Das beste Lernen findet doch da statt, wo Menschen aktiv dabei sind und nicht nur passiv empfangen. So ein Lernumfeld können aber nur Lehrpersonen vermitteln, die selber der Überzeugung sind, dass das überhaupt möglich ist und die von dem, was sie da vermitteln, begeistert sind. Nur so kann man junge Menschen inspirieren, ihre eigenen Interessen zu finden und sie zu leben. Damit kann man schon in der Grundschule beginnen ebenso wie mit Projektarbeit, bei der Kinder gemeinsam Dinge herausfinden, statt mit Wissen nur gefüttert zu werden. Und nur so entstehen letztendlich Initiative und Neugierde. Wir brauchen in Schulen eine Kultur des Entdeckens, des Fehlermachen-Dürfens, in der man auch stärker für Anstrengung, für Durchhaltevermögen und Initiative gelobt wird als für reine Erfolge im Pauken. Für mich ist Vielfalt der Schlüssel – wir brauchen vor allem mehr Öffnung für individuelle Wege einzelner Schulen, für Experimente. Und wir müssen raus aus der kollektiven Zwangsfütterung mit Wissen, die aus Kindern passive Wissenskonsumenten macht. Zu vermitteln, wie man zu seinen wirklichen Interessen gelangt und diese entfalten kann, wie man da hinkommt, ohne sich in seinem Weg zu täuschen, das ist für mich Bildung.

 

INTERVIEW: TIMUR DIEHN

 

Quelle: Stifterverband | W&W 4-2011, S. 42 - 45

Prof. Korte "Lernen"

Zusammenfassung eines Vortrags, zum besseren Verständnis ergänzt durch Zitate aus Prof. Kortes 2009 erschienenem Buch „Wie Kinder heute lernen“, das als Elternratgeber mit vielen Tipps für Eltern geschrieben wurde, aber natürlich für LehrerInnen und SchülerInnen ebenso interessant und lesenswert ist und als Taschenbuch erschienen ist:

 

Prof. Dr. Martin Korte: „Lernen lernen – Lehren lernen – Lernen fördern“

Wenn sie wissen, wie das Gehirn funktioniert, können SchülerInnen besser lernen, LehrerInnen besser beim Lernen helfen und Eltern besser ihre Kinder fördern und dabei grundlegende Fehler vermeiden.

 

Zunächst zeigt Prof. Korte die Bedeutung von Selektivität, Konzentration, Motivation und unbewusstem assoziativem Lernen:

Der Mensch lernt praktisch immer (das Gehirn wiegt nur 2% des Körpergewichts, verbraucht aber 20% der Energie), sein Gehirn wählt aber ständig aus, was es wahrnimmt, als lernenswert speichert, verknüpft das Neue dann mit schon Bekanntem in verschiedenen Hirnregionen, und das Ganze geschieht in überwiegend unbewussten Prozessen in Abhängigkeit von den dabei empfundenen Gefühlen.  Wenn das Gelernte wiedergegeben werden soll, spielen wieder Motivation, Konzentration und der Entwicklungsstand des Gehirns eine große Rolle.

Drei überraschende und lustige Filme bzw. Experimente zeigen wichtige Aspekte des Lernens:

  1. Ein zweijähriger Schimpanse lernt am Computerbildschirm die Zahlen von 1 bis 10 und ist besser als erwachsene Menschen in der Lage, diese Zahlen bei nur sehr kurzem Erscheinen auf dem Bildschirm in der richtigen Reihenfolge zu identifizieren und auf dem Bildschirm sofort mit der Hand zu berühren. Ein acht- bis zehnjähriges Kind könnte das wohl ebenso besser als ein Erwachsener.
  2. Die anwesenden Zuhörer bekommen die Aufgabe, bei dem in einem Film gezeigten Basketballzusammenspiel die Pässe der Mannschaft in den weißen Hemden gegen eine Mannschaft in dunklen Hemden zu zählen. In der Mitte des Films taucht von rechts nach links im Bild ein als schwarzer Affe Verkleideter auf, klopft sich auffällig auf die Brust, streckt beide Arme in die Höhe und verschwindet dann wieder. Viele Zuhörer haben sich während des Films so sehr auf das Zählen und auf die weiße Mannschaft konzentriert, dass sie den schwarzen „Affen“ überhaupt nicht gesehen und registriert haben.
  3. Zunächst wird ein Wort mit vertauschter Buchstabenreihenfolge gezeigt, bei dem nicht sofort klar wird, um welches Wort es sich handelt. Dann werden 48 Buchstaben gezeigt, deren Sinn nicht erkennbar ist, wobei mit zunehmender Sinngebung durch von Herrn Korte gegebene ständig erweiterte Einzelhinweise ein Erkennen und Behalten immer besser möglich wird. Schließlich wird ein längerer Text von allen Anwesenden ohne Schwierigkeiten gelesen, obwohl bei allen Wörtern nur der erste und der letzte Buchstabe korrekt sind. Das Gehirn erkennt den Sinn der Wörter und des Textes, weil es ihn trotz falscher Buchstabenreihenfolge im Zusammenhang richtig interpretiert.

 

Was braucht das Gehirn, um gut lernen zu können?

 

  • Zeit: im Tagesrhythmus optimal zwischen 8.30-11.00 und 14.00-16.00 Uhr, bei Methoden- oder Fachwechsel 15 Minuten, um sich neu einzustellen, einzudenken.
  • Sauerstoff und Bewegung: wenigstens 3 x 30 Min. moderate körperliche Anstrengung wöchentlich, ermöglichen langsameres Altern und die Bildung von neuen Nervenzellen, Zitat (S. 215): “Neben der verbesserten Sauerstoffversorgung werden dem Gehirn durch den vermehrten Blutstrom Botenstoffe zugespült, die die Schmerzschwelle heben und für Hochgefühle (Euphorie) sorgen können. Diese körpereigenen Opiate, die sogenannten Endorphine, treten nicht nur mit den Nervenzellen in der Großhirnrinde in Wechselwirkung, sondern auch und vor allem mit Arealen des limbischen Systems, welches von herausragender Bedeutung ist. Es spielt aber auch für Motivation und Antrieb – essentielle Komponenten jeden Lernens – eine wichtige Rolle. (…) Generell gilt, dass Bewegung direkt über die motorischen Areale im Gehirn, aber auch indirekt über Endorphine und andere Substanzen die Reifung des Gehirns fördert. Hingegen werden Faktoren, die stressbedingt das heranwachsende Gehirn schädigen könnten, durch Bewegung gehemmt bzw. abgebaut.“ In einer Studie der Hochschule Aalen aus dem Jahre 2008 mit 3000 Kindern von Klasse 1 bis 10 wird festgestellt, dass Kinder mit guten Balancierfähigkeiten in Mathematik 0,6 Noten und in Deutsch 0,7 Noten besser sind als Kinder mit Gleichgewichtsdefiziten.
  • Flüssigkeit ( z.B. 2,15 Liter /Tag für 9- bis 13-Jährige) hilft auch dabei, das Mittagstief bei der Lernfähigkeit besser zu überwinden, Trinken sollte in der Schule erlaubt sein und unterstützt werden.
  • Gesunde Ernährung: auf S. 204ff wird genauer erläutert, wie die Denkleistung und die Leitfähigkeit in Nervenzellen gefördert werden: jeden Tag Obst/Gemüse 2 x 250 g bei 12-Jährigen, 2 x 350 g bei 15- bis 18-Jährigen, wichtig sind Vitamin D mit Kalzium und Phosphor, Vitamin B1 (Thiamin) in Sonnenblumenkernen, Schweinefleisch und Vollgetreide, Vitamin B6 in Bananen, Nüssen, Fisch und Getreide, Docosahexaensäure, eine Omega-3-Fettsäure in Seefisch, Rapsöl, keinen Traubenzucker, aber Schokolade mit mindestens 70% Kakaogehalt, die Tryptophan enthält, das gut für den Serotoninstoffwechsel (Neurotransmitter) ist und über das Belohnungssystem des Gehirns positive Gefühle fördert.
  • Konzentration, die sich als Folge einer Tätigkeit einstellt, die nicht geteilt werden darf, die auf erreichbare Ziele gelenkt wird, der Lernende muss möglichst selbst bestimmter Handelnder sein.
  • Belohnungssystem des Gehirns mit dem Turbolader Dopamin dadurch anregen, dass wir zwar die Lösung nicht kennen, aber eine Chance für die Lösung durch eigene Anstrengung sehen und die Belohnung umso größer ausfällt,  je überraschender die Lösung ist.
  • Individuelles Fördern und Fordern, das heißt, die Anforderungen den Fähigkeiten genau anpassen.
  • Ziele klar definieren, die Schule setzt sich in Kooperation aller Lernenden, Lehrenden und Eltern gemeinsam Ziele.
  • Lernen ohne Angst und Zwang, denn man lernt nicht, was andere wollen, dass man es lernt.
  • Lernen über möglichst viele Sinne, dadurch Lernen mit beiden Gehirnhälften und verschiedenen Arealen des Gehirns unterstützt durch Beschäftigung mit Musik (Instrument spielen), Kreativität (künstlerische Tätigkeit) und Bewegung.
  • Beim Umgang mit dem Internet, Computer, Fernsehen und anderen Medien sollten die Zeit dosiert ( ca. 30 bis 90 Minuten pro Tag, je nach Alter) und die Inhalte kontrolliert werden (Gewalt- und Werteprobleme), der Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer („Vorsicht Bildschirm“, dtv, 2006) sieht das Problem als deutlich gefährlicher für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen an, aber auch Prof. Korte weist auf nachgewiesene abnehmende Sprachkompetenz, Werteprobleme und kürzere Konzentrationsspannen hin.

 

„Das“ Gedächtnis gibt es nicht!

 

Das Langzeitgedächtnis in den verschiedenen Regionen der Großhirnrinde hat nach seriösen Berechnungen verglichen mit der Speicherkapazität von Computern eine Dimension, die schier unvorstellbar ist:

1,4 Petabyte, das sind 1,4 Billionen Byte oder 1,4 x 1000 000 000 000 000 Byte

Wir müssen keine Sorge haben, dass es jemals in unserem Leben für unser Lernen nicht ausreicht.

 

Es gibt vier verschiedenartige Speicherarten  in unserem Gehirn:

Bewusstes Gedächtnis

Episodisches oder autobiographisches Gedächtnis von allem bewusst Erlebtem



 Wissenssystem Faktengedächtnis

Unbewusstes Gedächtnis

Prozedurales Gedächtnis von unbewussten Vorgängen und Erlebnissen und Gefühlen

Priming
Wiedererkennen von Bekanntem, Wahrnehmungsgedächtnis, Nachahmung durch Lernen über Spiegelneurone

 

Das bewusste Gedächtnis ist nur ein Bruchteil des Gesamtspeichers, den Hauptteil macht das unbewusste Gedächtnis aus. Alle Speicher arbeiten ständig zusammen und dürfen nicht isoliert, sondern müssen ganzheitlich gesehen werden, da alles mit allem vernetzt ist, auch mit Gefühlen!

Zitat (S. 68/69): „Denn positive – wie negative – Gefühle haben einen maßgeblichen Einfluss auf das Gedächtnis. Verantwortlich für die Steuerung unseres emotionalen Verhaltens ist das limbische System. (…) Das limbische System ist der Filter, den die Informationen für das autobiografische und das Faktengedächtnis passieren müssen. (…) Lernen, Gedächtnis und Gefühle hängen also hirnanatomisch ganz eng miteinander zusammen.“

Im Kapitel 3.7 „Der Kampf um ein besseres Schulsystem“ mit dem Untertitel ab Seite 295 „Optimale Schulbedingungen“ nennt er die Punkte: jahrgangsübergreifendes Lernen in jahrgangsgemischten Klassen/Gruppen, individuelle Förderung, Gruppenarbeit, beste Lernzeiten vom Plan her zwischen 8.30 und 11Uhr und 14 und 16 Uhr, Änderung der 45-Minuten-Stunden (Schüler sind nur 4,5 Minuten aufmerksam) in 60, 75, 90 oder intensive 30 Minuten Takte, Zeit und Raum für Musik, Kreativität und Sport.

Zitat (S. 300): „Kinder so spät wie möglich in verschiedene hierarchische Schulsysteme aufzuteilen ist von Vorteil. Je länger verschiedene Leistungsgruppen zusammen lernen, umso besser für alle – sofern, und dieser Zusatz ist wichtig, für die leistungsstarken Schüler ebenso wie für die leistungsschwachen Schüler eine spezielle Förderung gewährleistet ist.“ (2. These, wie man Schule besser machen könnte.)

Zitat (S. 301): „Bessere Förderung von hochbegabten Kindern ist genauso unter individueller Förderung zu verstehen wie die Unterstützung der Schüler, die Probleme in bestimmten Fächern haben.“ (5. These)

Zitat (S. 303) zum Thema Reformen: „Es fehlt ein Befreiungsschlag, der grundlegende Bedingungen ändert.“

Herr Prof. Korte steht am Schluss des Abends noch ca. eine halbe Stunde für Fragen der Anwesenden zur Verfügung. Dabei betont er noch einmal, wie wichtig erzählte und vorgestellte Geschichten beim Lernprozess sind, da dabei verschiedene Hirnareale angesprochen werden. Er betont die Verantwortung der Lehrer, die das beste Lernen ihrer Schüler ermöglichen sollten, und die Verantwortung einer guten Schule, in der alle Betroffenen in diesem Sinne kooperieren sollten.

 Abschließend macht er die Anwesenden nachdenklich, indem er das gesellschaftliche Ansehen einer Institution mit dem Erfolg dieser Institution koppelt und dabei vergleichend feststellt, dass in Deutschland die Institution mit dem höchsten Ansehen die Polizei ist, während es in Finnland (PISA-Siegerland) die Schule ist und folglich dort wegen der Attraktivität (nicht wegen des Gehaltes) nur die besten Studenten Lehrer werden dürfen.

Zusammenfassung und Zusammenstellung durch Werner Plack, AWOL – Individuelles Lernen

Alle wollen lernen

Jeder ist einzigartig! Jedes Gehirn ist einmalig! Alle sind anders! Deshalb ist klar, dass alle anders lernen!

„Kinder sind unsere Zukunft! Bildung ist Zukunft!" Das sind oft leere Sprüche und gezielt eingesetzte Worthülsen, die ablenken von Machtinteressen oder politischen Entscheidungsproblemen, die in Wirklichkeit andere Prioritäten setzen. Kinder und Bildung werden angeblich gefördert. Tatsache ist aber, dass ...

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Individuelles Lernen - von Kindern erklärt

Hier erklären Kinder, warum die Vorurteile gegenüber individuellem Lernen falsch sind.

Sie wissen es aus eigener Erfahrung:

 

Kinder erklären individuelles Lernen

 

In dem Rollenspiel vertritt und äußert der Lehrer die Vorurteile,

aber die Schüler überzeugen ihn von den Vorteilen des individuellen Lernens.

 

Prof.Spitzer SynapsenLernen

 

Der Hirnforscher Prof. Spitzer erklärt in diesem Vortrag

die Grundlagen des Lernens.

 

Er zeigt, wie wichtig die Verschaltung der 100 Milliarden Gehirnzellen mit Hilfe der Synapsen/Schaltstellen ist und wie die Funktion dieser Verbindungen abhängig ist von der Benutzung des Gehirns durch den Einzelnen. Das dadurch immer individuell entstehende Gehirn sollte dann auch die Chance bekommen, individuell lernen zu dürfen. Und zwar nicht im Sinne einer mit dem Computer vergleichbaren Exel-Tabellen-Lernweise von vielen Einzelfakten und Daten, die das Gehirn gar nicht praktiziert, sondern im Sinne von ganzheitlichen Gesetzmäßigkeiten und Regeln, nach denen das Gehirn lernt.

 

Selbstbestimmung, gute Beziehungen, angenehme Gefühle

und Stärken des Einzelnen stärken sind dabei zusätzlich extrem wichtig!

 

Unterkategorien

  • Impulsreferat

    Info-und Diskussionsveranstaltung „Individuelles Lernen"
    am Donnerstag, 17.2.2011, 19.30 Uhr
    im Theatercafe neben dem „Bergischen Löwen" in Bergisch Gladbach

    Werner Plack, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

 
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